Grauwolf - Canis Lupus - der bessere Jäger

1996 - Der Beginn einer traumhaften Geschichte, die hoffentlich nicht so endet, wie Braunbär Bruno!

Hier, wo ein Paar neugierig-vierbeiniger Gesellen sich aus Polen aufmachten, eine neue Welt zu erforschen, ist das Quellgebiet der deutschen Wölfe.

In der Muskauer Heide begann ihre Liaison und sie begründeten das damalige "Muskauer Heide-Rudel". Dieses gibt es in der Form nicht mehr, findet sich aber genetisch im heutigem "Nochtener Rudel" wieder.

Mehr erfahrt ihr unter den jeweiligen Links!


Die Biografie einer aussergewöhnlichen Wolfsfähe.   'Einauge', eine die durchkam...!

 © Sebastian Koerner, 2006
© Sebastian Koerner, 2006

"Einauge" die Fähe des Nochtener Rudels

"Älteste Wölfin der Lausitz ist tot...", so oder ähnlich titelten Überschriften zahlreicher Zeitungen im März 2013.

 

Kenner der Szene und ich waren erst geschockt... Erschossen...?

Man hatte schon 2 mal in ihrem Leben auf sie angelegt und den Finger krumm gemacht, doch dazu später mehr.

 

Schauen wir uns die Biografie dieser aussergewöhnlichen Wolfsfähe mal an.


Die Elterntiere dieses Rudel trafen sich 1996/1998 auf dem Truppenübungsplatz. Beide aus Polen kommend, gründeten das erste Rudel in Deutschland und bekamen im Jahr 2000 vier und im Jahr 2001 zwei Welpen. Als eines dieser sechs Wolfswelpen kam also "Einauge" im sogenannten "Muskauer Heide-Rudel"zur Welt.

 © LUPUS, 2000
© LUPUS, 2000

Territorium des Muskauer Heiderudels

© Sebastian Koerner, 2006
© Sebastian Koerner, 2006
 © LUPUS, 2005
© LUPUS, 2005

2003 entstand das Neustädter Rudel aus Nachkommen des Muskauer Rudels.

 

Bis zum Jahr 2004 kamen im

Muskauer Heiderudel 10 Welpen zur Welt.

 

2005 hört nach genetischen Untersuchungen das Muskauer Rudel auf zu existieren. Im westlichen Teil des Territoriums gründen eine Tochter später genannt "Einauge" des Muskauer Rudels und ein Halbbruder das neue "Nochtener Rudel" und zeugten 5 Welpen.

© Sebastian Koerner, 2006
© Sebastian Koerner, 2006

"Einauge" mit 9 Wochen alten Welpen

Schon im Jahr 2005 zeigten Filmaufnahmen, dass die Fähe lahmte und ihr rechtes Auge fehlte, was ihr den Namen "Einauge" einbrachte. Die Autopsie 2013 am IZW zeigte Verletzungen, die auf einen zweimaligen Beschuss zurückzuführen waren. Es wurden mehrere Schrotkugeln und Metallpartikel aus dem Körper isoliert. Diese haben jedoch nicht zum Tod von "Einauge" geführt.

 

© Sebastian Koerner
© Sebastian Koerner

Anfang 2010 wurde "Einauge" durch das Wildbiologische Büro LUPUS besendert und erhielt den wissentschaftlichen Namen FT 3, leider fiel der Sender im November des Jahres aus. Doch die Zeit ihrer Welpenaufzucht 2010 konnte zeitnah mitverfolgt werden und brachte neue Erkenntnisse. Während der ersten Lebenswochen zog sie mehrfach mit ihren Welpen um. Daraus ergab sich ein territoriales Gebiet von 204 Quadratkilometern.
 

© Sebastian Koerner
© Sebastian Koerner

Ihre Lebensbilanz!

Von 2005 bis 2011 zog "Einauge"

mindestens 42 Welpen auf.

Nachkommen von ihr gründeten

das Daubaner Rudel,

das Milkener Rudel,

das Spremberger Rudel sowie das Munster Rudel in Niedersachsen.

 

Ein Sohn von ihr "Alan" (MT3) wanderte 2009 bis Weißrussland.

 

Ein Enkel aus dem Milkeler Rudel von 2009 wanderte bis nach Dänemark, er war dort der erste Wolf, der nach 200 Jahren nachgewiesen wurde und verstarb dort an einer Krankheit.

Während seiner Wanderung hielt er sich nur 25 km von meinem Wohnort enfernt auf (Segeberger Wolf), es gab mehrere Fotofallenfotos und genetische Beweise.


© LUPUS 2013
© LUPUS 2013

2012 übernahm eine Tochter (FT2 "Lisa") das Nochtener Territorium und verdrängte "Einauge" mit ihrem alten Rüden aus dem Kerngebiet.

Das Nieskyer Rudel ist in den Südbereich des Nochtener Rudels vorgedrungen und somit sind vermutlich "Einauge" und ihr Partner zwischen die Fronten zweier Rudel gekommen.

Einauge wurde am 19.03.2013 bei Mücka tot aufgefunden.

Die Untersuchungen des Berliner Instituts für Zoo und Wildtierforschung ergaben massive Bissverletzungen, denen "Einauge" letztendlich erlag. Das Schicksal ihres Partners ist nicht bekannt.

Welpen haben sie seit 2012 nicht mehr aufgezogen. Hier endet die Geschichte einer besonderen Wölfin.

 

Es werden noch mehrere folgen.

Text: Helmut Joachim

Daten: Wildbiologisches Büro LUPUS