Grauwolf - Canis Lupus - der bessere Jäger

1996 - Der Beginn einer traumhaften Geschichte, die hoffentlich nicht so endet, wie Braunbär Bruno!

Hier, wo ein Paar neugierig-vierbeiniger Gesellen sich aus Polen aufmachten, eine neue Welt zu erforschen, ist das Quellgebiet der deutschen Wölfe.

In der Muskauer Heide begann ihre Liaison und sie begründeten das damalige "Muskauer Heide-Rudel". Dieses gibt es in der Form nicht mehr, findet sich aber genetisch im heutigem "Nochtener Rudel" wieder.

Mehr erfahrt ihr unter den jeweiligen Links!


Der "Freundeskreis freilebender Wölfe e.V." entstand 2004 nach einem Wolfsseminar in der Lausitz

7 Jahre  war ich Mitglied dieses Vereins.

Unsere Ziele:
Wir trugen dazu bei, dass die Wölfe endlich so erkannt und anerkannt werden, wie sie wirklich sind: Intelligent, sozial und unverzichtbar für das ökologische Gleichgewicht.


Seit Mitte 2015 gehöre ich zum Team der NABU-Wolfsbotschafter



Mit Wölfen Leben

Info Broschüre für Jäger,Förster und Tierhalter und all' diejenigen, die noch ein paar Argumente für Diskussionen benötigen.

 

 

Herausgeber:

Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft

Download per Doppelklick aufs Bild!

 

 

 


Auch diese Themen gehören dazu....

Verkehrsopfer

Waren in den Anfängen die Anzahl der Verkehrsopfer eher gering, stieg ab dem Jahr 2007 die Zahl der Opfer. Allein zwischen 2007 und 2009 starben in der Lausitz auf der Bundesstraße 156 zwischen Boxberg und Weisswasser 9 Jungwölfe.

Alle stammten von der Wölfin "Einauge" ab (siehe Bericht weiter unten).

Seit dem Superjahr 2011 stieg die Anzahl der Wolfsrudel innerhalb von 12 Monaten von 6 auf 11 und somit potenzierte sich auch die Abwanderungrate der Jungwölfe kräftig in Richtung Nord-Nordwesten. Seitdem starben und sterben auch auf den Straßen der alten Bundesländer mehr und mehr Wölfe. Seit Anfang 2013 haben wir in Schleswig-Holstein den dritten Jungwolf als Verkehrsopfer.

Bei aller Traurigkeit dieser Tatsache zeigt es uns auch, dass sie mehr und mehr neue Gebiete suchen.

Illegale Tötungen

Auch das gehört dazu, ...mindestens 18 illegal getötete Wölfe bei uns!

In Deutschland wurden bereits mehrfach Wölfe illegal erlegt.

2003 beispielsweise in der Nähe von Göttingen,

2004 in Bayern,

2007 in Brandenburg. Im selben Jahr töteten Jäger in Niedersachsen ein weiteres Tier.

2009 erschoss ein Jäger einen Rüden, der auf dem Truppenübungsplatz in Altengrabow (Sachsen-Anhalt) lebte.

Im vergangenen Jahr starb im Westerwald ein Wolf durch die Kugel eines Jägers.

In Sachsen wurden seit 2000 nachweislich vier Wölfe illegal getötet.

In drei Fällen wurden die Tiere erschossen, ein Wolf ist absichtlich überfahren worden.

Wildbiologen vermuten, dass die Dunkelziffer bei illegalen Wolfstötungen hoch ist. Wenn man sieht, wie viele Wolfswelpen in den bekannten Rudeln geboren wurden und wie viele Wölfe es tatsächlich gibt, dann klafft da eine sehr große Lücke.


Eine die durchkam...!

 © Sebastian Koerner, 2006
© Sebastian Koerner, 2006

"Einauge" die Fähe des Nochtener Rudels

"Älteste Wölfin der Lausitz ist tot...", so oder ähnlich titelten Überschriften zahlreicher Zeitungen im März 2013.

 

Kenner der Szene und ich waren erst geschockt... Erschossen...?

Man hatte schon 2 mal in ihrem Leben auf sie angelegt und den Finger krumm gemacht, doch dazu später mehr.

 

Schauen wir uns die Biografie dieser aussergewöhnlichen Wolfsfähe mal an.


Die Elterntiere dieses Rudel trafen sich 1996/1998 auf dem Truppenübungsplatz. Beide aus Polen kommend, gründeten das erste Rudel in Deutschland und bekamen im Jahr 2000 vier und im Jahr 2001 zwei Welpen. Als eines dieser sechs Wolfswelpen kam also "Einauge" im sogenannten "Muskauer Heide-Rudel"zur Welt.

 © LUPUS, 2000
© LUPUS, 2000

Territorium des Muskauer Heiderudels

© Sebastian Koerner, 2006
© Sebastian Koerner, 2006
 © LUPUS, 2005
© LUPUS, 2005

2003 entstand das Neustädter Rudel aus Nachkommen des Muskauer Rudels.

 

Bis zum Jahr 2004 kamen im

Muskauer Heiderudel 10 Welpen zur Welt.

 

2005 hört nach genetischen Untersuchungen das Muskauer Rudel auf zu existieren. Im westlichen Teil des Territoriums gründen eine Tochter später genannt "Einauge" des Muskauer Rudels und ein Halbbruder das neue "Nochtener Rudel" und zeugten 5 Welpen.

© Sebastian Koerner, 2006
© Sebastian Koerner, 2006

"Einauge" mit 9 Wochen alten Welpen

Schon im Jahr 2005 zeigten Filmaufnahmen, dass die Fähe lahmte und ihr rechtes Auge fehlte, was ihr den Namen "Einauge" einbrachte. Die Autopsie 2013 am IZW zeigte Verletzungen, die auf einen zweimaligen Beschuss zurückzuführen waren. Es wurden mehrere Schrotkugeln und Metallpartikel aus dem Körper isoliert. Diese haben jedoch nicht zum Tod von "Einauge" geführt.

 

© Sebastian Koerner
© Sebastian Koerner

Anfang 2010 wurde "Einauge" durch das Wildbiologische Büro LUPUS besendert und erhielt den wissentschaftlichen Namen FT 3, leider fiel der Sender im November des Jahres aus. Doch die Zeit ihrer Welpenaufzucht 2010 konnte zeitnah mitverfolgt werden und brachte neue Erkenntnisse. Während der ersten Lebenswochen zog sie mehrfach mit ihren Welpen um. Daraus ergab sich ein territoriales Gebiet von 204 Quadratkilometern.
 

© Sebastian Koerner
© Sebastian Koerner

Ihre Lebensbilanz!

Von 2005 bis 2011 zog "Einauge"

mindestens 42 Welpen auf.

Nachkommen von ihr gründeten

das Daubaner Rudel,

das Milkener Rudel,

das Spremberger Rudel sowie das Munster Rudel in Niedersachsen.

 

Ein Sohn von ihr "Alan" (MT3) wanderte 2009 bis Weißrussland.

 

Ein Enkel aus dem Milkeler Rudel von 2009 wanderte bis nach Dänemark, er war dort der erste Wolf, der nach 200 Jahren nachgewiesen wurde und verstarb dort an einer Krankheit.

Während seiner Wanderung hielt er sich nur 25 km von meinem Wohnort enfernt auf (Segeberger Wolf), es gab mehrere Fotofallenfotos und genetische Beweise.


© LUPUS 2013
© LUPUS 2013

2012 übernahm eine Tochter (FT2 "Lisa") das Nochtener Territorium und verdrängte "Einauge" mit ihrem alten Rüden aus dem Kerngebiet.

Das Nieskyer Rudel ist in den Südbereich des Nochtener Rudels vorgedrungen und somit sind vermutlich "Einauge" und ihr Partner zwischen die Fronten zweier Rudel gekommen.

Einauge wurde am 19.03.2013 bei Mücka tot aufgefunden.

Die Untersuchungen des Berliner Instituts für Zoo und Wildtierforschung ergaben massive Bissverletzungen, denen "Einauge" letztendlich erlag. Das Schicksal ihres Partners ist nicht bekannt.

Welpen haben sie seit 2012 nicht mehr aufgezogen. Hier endet die Geschichte einer besonderen Wölfin.

 

Ich hoffe, es folgen noch mehrere.

Text: Helmut Joachim

Daten: Wildbiologisches Büro LUPUS


Hinweis:

Bei den genannten Zeiträumen handelt es sich immer um ein sogenanntes biologisches Wolfsjahr. Dieses beginnt mit der Geburt des Welpen bis zu seinem ersten Lebensjahr. In der Regel vom 01. Mai bis 30. April des darauffolgenden Jahres. Dieses Monitoring-Jahr ist sehr wichtig, da nur so eine präzise Erfassung des Familienverbandes gewährleistet ist.


Aktuelle Wolfsterritorien in Deutschland 2013/2014



Sachsen - Die Keimzelle unserer Wölfe

Das Lausitzer Wolfsgebiet erstreckt sich von Sachsen bis in den Süden von Brandenburg und umfasst aktuell eine Größe von etwa 4.500 km². Die Territorien sind in der Regel zwischen 150 und 350 km² groß.

Aktuell: 11 Wolfsfamilien und 47 Welpen

Vorjahr: 45 Welpen



Brandenburg

Aktuell: 

8 Wolfsfamilien,

2 Wolfspaare sowie

1  Einzelwolf

mindestens 22 Welpen



Sachsen-Anhalt

Aktuell: 

6 Wolfsfamilien

1  Einzelwolf

mindestens 30 Welpen

Vorjahr: 27 Welpen


Niedersachsen

Aktuell: 

5 Wolfsfamilien,

2 Wolfspaare sowie

1  Einzelwolf

mindestens 22 Welpen

 

 

 

 


Wolfsfamilie in Munster 2013 (© NDR-Naturfilm / S. Koerner)


Mecklenburg Vorpommern

Aktuell: 

2 Wolfsfamilien,

mindestens 5 Welpen



Thüringen

Aktuell: 

1 Einzelwolf




Niedersachsenwölfe


Er hat unsere Deutschen Wölfe ins Fernsehen gebracht

 © Sebastian Koerner
© Sebastian Koerner

 

Biologe und Tierfilmer

Sebastian Koerner

www.lupovision.de